Tempo

Die Kombination aus Notenwerten, Takt und Tempo ergibt die Spielgeschwindigkeit. Nüchtern betrachtet ist das so. Insbesondere seit das um 1815 von Johann Nepomuk Mälzel erfundene Metronom in der Musik verwendet wird. Seitdem wird das Tempo oft am Anfang eines Stückes in Grundschlägen pro Minute angegeben, wobei der Wert des Grundschlages als Note dargestellt wird. Das sieht dann zum Beispiel so aus:

(120 Viertel pro Minute)
(60 Halbe pro Minute)

In modernerer Schreibweise heißt es auch oft einfach 120 BPM (beats per minute) und man muss sich den Wert des Grundschlages aus der Taktangabe rauslesen.

Es gibt aber auch noch die alten Tempobezeichnungen in italienischer Sprache, die zwar für das Spieltempo nur ungefähre Anhaltswerte liefern, dafür aber schon viel über den Charakter des Stückes aussagen. Überhaupt ist italienisch die traditionelle Sprache in der Musik. Hier einige Beispiele für die Tempobezeichnungen von langsam bis schnell:

Largobreit
Lentolangsam, schleppend
Adagiogemächlich, ruhig
Andantegehend, schreitend
Moderatogemäßigt
Allegromunter
Vivacelebhaft
Prestoschnell

Häufig werden auch Zwischennuancen verwendet, so z.B. das Larghetto, das dann irgendwo zwischen Largo und Lento steht, oder das Andantino, das Allegretto oder das Prestissimo. Der Phantasie eines Komponisten sind da kaum Grenzen gesetzt, zumal es zu den Tempobezeichnungen noch ergänzende, genauso phantasievolle Zusätze gibt. Auch hier ein paar Beispiele:

amorosolieblich
cantabilegesanglich
espressivoausdrucksvoll
maestosomajestätisch
moltoviel, sehr
non tropponicht zu sehr
risolutoentschlossen
un pocoein wenig

Auch der letzte Analytiker wird wohl zugeben, dass eine Bezeichnung wie „Andante cantabile, espressivo ma non troppo“ mehr über ein Lied aussagt als einfach nur 60 BPM.


Tempoänderungen

Soll das Tempo innerhalb eines Liedes verändert werden, wir dies durch entsprechende Anweisungen im Notentext vermerkt. Hier die wichtigsten:

accelerando(accel.)allmählich schneller werdend
stringendo(string.)eilend, vorwärts drängend
più mossobewegter
meno mossoweniger bewegt
rallentando(rall.)zurückhaltend, breiter werdend
ritardando(rit.)allmählich langsamer werdend
ritenuto(riten.)plötzlich langsamer
rubatoTempovariation zur Ausdruckssteigerung
a tempowieder im Anfangstempo

Stringendo und rallentando beziehen sich meistens nur auf kurze Passagen oder Taktteile. Accelerando und ritardando können sich durchaus über mehrere Takte erstrecken und werden oft mit dem Zusatz poco a poco versehen

Dynamik

Ein sehr wesentliches Stilmittel des musikalischen Ausdrucks ist die Dynamik. Darunter versteht man zum einen die in einem Lied zu singende Lautstärke, zum anderen aber auch deren Veränderung und Akzentuierung.

Selten ist die Lautstärke über ein ganzes Lied hinweg gleichbleibend. Das gerade geltende Maß wird durch spezielle Zeichen unterhalb der Notenlinien angegeben:

piano pianissimosehr, sehr leise
pianissimosehr leise
pianoleise
mezzopianohalb leise
mezzofortehalb laut
fortelaut
fortissimosehr laut
forte fortissimosehr, sehr laut
Oft finden Lautstärkeänderungen allmählich statt. Hier die entsprechenden Zeichen:

crescendolauter werdend
decrescendo, diminuendoleiser werdend

Schließlich noch einige Zeichen für die abrupte Änderung der Lautstärke:

fortepianoerst kurz laut, dann sofort leise
forzandostark betont
sforzandosehr stark betont
rinforzandoanschwellend

Darüber hinaus hat ein Komponist auch bei der Dynamik wieder die Möglichkeit, seine Vorstellungen mit blumigen italienischen Vokabeln näher zu beschreiben. molto crescendo fordert z.B. ein besonders starkes Crescendo, più und meno bedeuten „mehr“ und „weniger“ und subito piano heißt „plötzlich leise“. Der Phantasie sind wie immer keine Grenzen gesetzt.

Wiederholungen, Sprünge

Wiederholungen und Sprünge geben der Musik Struktur. Ein Lied besteht eigentlich immer aus mehreren Bausteinen, die in bestimmter Reihenfolge aneinander gereiht, wiederholt, vertauscht und variiert werden und so im Verlauf des Liedes mehrmals zum „Einsatz“ kommen. Ein solcher Baustein besteht aus mehreren Takten, deren Anzahl meistens durch 8 teilbar ist.

Man könnte nun alles durchgängig in einem Zug aufschreiben, so wie es letztlich vorgetragen werden soll. Dann hätte man allerdings einen Berg Noten in der Hand, dessen Struktur sich erst beim Singen oder Spielen erschließt. Dies ist insbesondere beim Zusammenspiel im Chor oder Orchester unhandlich, und so hat man Wiederholungszeichen und Sprungmarken eingeführt, die ein Stück schon auf dem Papier in seine Bestandteile gliedern und beim Singen oder Spielen die erforderlichen „Navigationshinweise“ geben. Sie ersparen Musikern und Sängern auch viel Blätterei.

Hinzu kommt noch ein weiterer, nicht unwichtiger Aspekt: Bis gegen Ende des letzten Jahrhunderts konnten die Vorlagen für den Notendruck nur sehr aufwendig durch handwerklichen (und teuren) Kupferstich hergestellt werden. Eine brauchbare, industriell nutzbare Notenschreibmaschine gab es schlichtweg nicht. Notenstecher freuten sich daher über jedes Wiederholungszeichen, das ihnen Arbeit ersparte. Erst Ende der 1980er Jahre (!) zeichnete sich eine Wende in Form leistungsfähiger Computer und erster Notensatzprogramme ab. Beim Schott-Verlag wurde die letzte Kupferplatte 1995 gestochen.

Wenn in den folgenden Erläuterungen von „spielen“ die Rede ist, gilt das natürlich gleichermaßen für „singen“.


Einfache Wiederholungszeichen

Reihenfolge: A-B-C-B-C-D
Der Teil zwischen den Wiederholungszeichen wird zweimal gespielt, danach weiter.


Wiederholungszeichen mit Klammern

Reihenfolge: A-B-C-B-C‘-D
Beim ersten Durchgang wird die Klammer 1 gespielt. Sie endet immer am Wiederholungs-zeichen. Beim zweiten Durchgang wird die Klammer 1 übersprungen und gleich die Klammer 2 gespielt. Diese Konstruktion findet Verwendung, wenn der zu wiederholende Teil beim ersten Mal anders endet als beim zweiten Mal, oder wenn der folgende Teil mit einem Auftakt beginnt, der dann in der Klammer 2 steht.


Wiederholungszeichen mit mehr als zwei Klammern

Reihenfolge: A-B-C-B-C‘-B-C‘‘-D
Wiederholungen mit mehr als zwei Klammern kommen in der Praxis recht selten vor. Falls doch, so wird der erste Durchgang mit der ersten Klammer gespielt, der zweite mit der zweiten und so weiter.


Wiederholung durch Rücksprung

Wiederholungszeichen sind nicht verschachtelbar. Wiederholungen in der Wiederholung gibt es nicht. Soll nun eine Passage, die bereits Wiederholungszeichen enthält, in ihrer Gänze wiederholt werden, geschieht dies durch einen Rücksprung.

Es gibt zwei Arten von Rücksprüngen: „da Capo“ und „dal Segno“. Da Capo bedeutet „vom Anfang“ und wird in den Noten entweder als Hinweis ausgeschrieben oder mit D.C. abgekürzt. Dal Segno heißt „vom Zeichen an“, also nicht vom Anfang, sondern ab einem bestimmten Zeichen irgendwo weiter vorn, das man sich am besten mit Textmarker anmalt, damit man es leicht findet. Auch „dal Segno“ kann ausgeschrieben oder abgekürzt als D.S. in den Noten stehen. Es gibt keine festen Regeln, wie diese Zeichen auszusehen haben, diese beiden Vaianten sind die gebräuchlichsten:

Zeichen für den Rücksprung „dal Segno“

Rücksprünge stehen jedoch nie alleine da, sie haben immer eine Zielangabe, bis wohin nach dem Rücksprung gespielt werden soll. Dies kann zum einen der Texthinweis „Fine“ sein. Dann heißt es „da Capo al Fine“ oder „dal Segno al Fine.“ Das Wort „Fine“ steht irgendwo im weiteren Verlauf des Stücks und markiert vom Rücksprung kommend den Schluss. Auch hier helfen im Zweifel Textmarker. Kommt man jedoch bereits vor dem Rücksprung an „Fine“ vorbei, wird natürlich weitergespielt.

Die zweite Möglichkeit der Zielangabe ist der Vorwärtssprung in eine spezielle Schlussphrase, auch Coda genannt, in die nach dem Rücksprung von einer markierten Stelle aus hineingesprungen wird. Die Rücksprunganweisung heißt jetzt „da Capo al Coda“ oder „dal Segno al Coda“ und der Vorwärtssprung in die Coda hinein wird wieder durch ein spezielle Zeichen markiert. Dieses Zeichen heißt „Kopf“ oder „Laterne“ und ist wie „Fine“ nur nach vorangegangenem Rücksprung gültig.

„Kopf“ oder „Laterne“, Zeichen für den Vorwärtssprung

Doch damit nicht genug, Sprünge sind auch noch schachtelbar. Es kann also durchaus innere und äußere Sprunganweisungen geben und manchmal machen Notenschreiber sogar Gebrauch davon. Dann sollte es vor Inangriffnahme des Stückes eine ausführliche Durchsprache mit dem Dirigenten geben und die Textmarker, gern auch mehrfarbig, werden zum wichtigen Hilfsmittel.

Eine weitere Vereinbarung muss an dieser Stelle noch erwähnt werden: Nach einem Dal-Segno-Rücksprung werden alle Wiederholungszeichen berücksichtigt, nach einem Da-Capo-Rücksprung nicht. Bei Wiederholungen mit Klammern wird jetzt gleich in die Klammer 2 gesprungen. Abweichungen hiervon bedürfen eines ausdrücklichen Hinweises. In den Noten steht dann beispielsweise "da Capo al Fine con Repetitione", also „von vorne bis zur Schlussmarke mit Wiederholung“. Oder aber "dal Segno al Coda senza Repetitione", also „vom Zeichen bis zur Coda ohne Wiederholung“. Spätestens jetzt kommen dabei Abkürzungen ins Spiel wie „D.C. al Fine c. Rep.“ oder „D.S. al Coda s. Rep.“.

Es soll ja Spezialisten geben, die so was immer noch vom Blatt spielen können, das muss aber nicht sein. Man darf sich seine Noten gerne vorher ansehen, anmalen und … üben.

Im Folgenden nun einige Beispiele für Sprunganweisungen und deren Auswirkungen.


„Da Capo al Fine“ – Reihenfolge: A-B-B-C-D-E-A-B-C


„Da Capo al Coda“ – Reihenfolge: A-B-B-C-D-E-A-B-C-F-G


„Dal Segno al Fine“ – Reihenfolge: A-B-B-C-D-E-B-B-C


„Dal Segno al Coda“ – Reihenfolge: A-B-B-C-D-E-B-B-C-F-G

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